Das war der Automotivtag Steiermark der BVL Österreich

Antrieb für die Zukunft – lautete das Motto des Automotivtag Steiermark der Bundesvereinigung Logistik Österreich, zu dem Michael Druml, Executive Director Global Supply Chain Management MAGNA STEYR und Beirat der BVL Österreich, am 30. Juni 2011 über 90 Teilnehmer am Flughafen Graz begrüßen konnte. Der Themenbogen war weit gespannt. Vertreter der Automobilindustrie, Logistikdienstleistung und Entsorgungslogistik stellten die E-Mobility, das Risikomanagement globaler Lieferketten und Materialströme bei volatilen Märkten und sich kontinuierlich ändernde Lieferantenstrukturen sowie Transport- und Kostenoptimierung in den Mittelpunkt. Das Resümee: Logistik funktioniert nur im Verbund!

Mag. Michael Druml, Executive Director Global Supply Chain Management MAGNA STEYR und Beirat der BVL Österreich

Automotivtag Steiermark 2011

Netzwerken am Automotivtag Steiermark 2011

Die unerwartet rasche, fast zu rasche Erholung der Wirtschaft und das damit verbundene Wachstum der Automobilindustrie und des Logistikmarktes stellen die Branchen vor neue Herausforderungen, erklärte Druml in seiner Eröffnungsrede.“ Die Unternehmen kommen gestärkt aus der Krise und haben ihre Hausaufgaben größtenteils gemacht – die ersten Erfolge stellen sich ein. Nun gilt es, für Chancen, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen gerüstet zu sein!“

Elektromobilität – Hybridisierung wird kommen –
in welcher Form auch immer!

Einen Blick in die Zukunft und den Wandel der Automobilindustrie durch die Elektromobilität und den Status quo der Fahrzeugentwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen bei Magna E-Car Systems gab Manfred Schinnerl, Vice President Operations & Managing Director Magna E-Car Systems Europe.

MAGNA E-CAR Systems, eine Partnerschaft der Magna International und der Stronach Gruppe, bündelt Magna‘s Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität. Die Entwicklung, Produktion und Integration von innovativen Zell- und Batteriesystemen, wie Lithium-Ionen Batteriesysteme, als eine der Kernkompetenzen der Magna E-Car, müsse neben den grundlegenden Kriterien wie Lebensdauer, Gewicht, Emissionsentlastung, Leistung und Reichweite, darauf ausgerichtet sein die unterschiedlichen Anforderungen des Marktes wie Funktionalität, Qualität oder Kühlleistung zu erfüllen. Schinnerl führte weiter aus, dass der Anteil an Elektronikkomponenten mit bis zu 35 Prozent massiv steigen und neue Lieferantenstrukturen mit sich bringen wird.

Synergien im Supply Chain Management nutzen
Produktion und Logistik liegen nah beieinander, um kostenoptimale Abläufe zu gestalten, erklärt Schinnerl die Logistikstrategie bei Magna E-Car. Synergien im Supply Chain Management zwischen MAGNA und MAGNA E-CAR Systems ergeben sich zur effizienten und optimierten Abwicklung rund um die Bereiche Sicherheit, IT, Qualitätsmanagement, Lagerhaltung, LKW- und Seetransporte.

Globale Komplexität der Wertströme steigt
Markus Wiederstein, Mitglied der Geschäftsleitung, PA Consulting Group, widmete sich den Herausforderungen globaler Märkte und deren Wertschöpfung. Steigender Kostendruck und die globale Vernetzung erfordern neue Wege und Ansätze in der Kostenoptimierung. 2014 würden 18 Millionen mehr Fahrzeuge produziert als 2010, wobei mit einem signifikanten Wachstum in den BRIC-Staaten zu rechnen sei, prognostizierte Wiederstein. Durch Individualisierung, Regionalisierung und Elektrifizierung und hohe Überkapazitäten werden sich die globale Komplexität der Wertströme und ebenso der Kostendruck weiter erhöhen.

„Kosten- und CO2-Optimierung bleibt auch in Zukunft wichtig. Bisher eingesetzte Tools und Methoden sind eindimensional und statisch. Zukünftige Optimierungen müssen alle wichtigen Faktoren der Supply Chain berücksichtigen, die in Wechselwirkung zueinander stehen.“ Die Modellierung und Validierung von optimalen Wertschöpfungsvarianten, die Kenntnis und die richtige Bewertung aller Kostenelemente seien wichtiger denn je, um strategische Sourcingentscheidungen treffen zu können.

Globale Lieferketten in der Praxis

Politische, wirtschaftliche und strukturelle Veränderungen führen zu stetigen Neuordnungen der Material- und Hauptwarenströme zwischen Asien und dem Rest der Welt und machen langfristige Planungen und Kalkulationen äußerst schwierig. Christian Bohle, Niederlassungsleiter der JCL Logistics, Feldkrich, stellte Asien als Beschaffungs- und Absatzmarkt für Automotivprodukte in den Mittelpunkt seines Referates. Die Import-/Exportleistungen der EU27-Länder von und nach China und den ASEM Ländern wurden mit umfassendem Zahlenmaterial aus 2008 – also von vor Krise – und 2010 verglichen. Das Ergebnis: Exporte der EU27-Länder nach ASIEN ASEM steigen um 19, Importe um 7 Prozent. Exporte von ASIEN ASEM nach Welt steigen um 18, Importe um 20 Prozent. Exporte und Importe der EU27-Länder nach bzw. von China weisen eine signifikante Steigerung von 44 bzw. 13 Prozent auf. Die Exporte und Importe aus Sicht Chinas erhöhen sich um 22 bzw. 39 Prozent. Gemessen am Gesamtimport und –export Österreichs ergibt sich ein Export-/Importanteil von und nach Asien um plus 9 bzw. 11 Prozent.

Europas Häfen im Vergleich
Gemessen an den umgeschlagenen Tonnagen nimmt Rotterdam mit Abstand den ersten Platz unter den europäischen Häfen ein. Im Gesamtumschlagsvergleich liegen die Import- und Exportleistungen der europäischen Häfen entweder nur knapp unter den Werten aus 2008 oder bereits wieder über Vorkrisenniveau. Die adriatischen Häfen spielen zwar im Vergleich zu den Nordhäfen nur eine untergeordnete Rolle, Koper nimmt allerdings den ersten Platz ein, wenn es um Importe nach Österreich geht. Die geografische Nähe zu Österreich, attraktive Terminal-Handling-Kosten sowie die gute Anbindung und Laufzeit von und nach Asien können als Vorteile für die adriatischen Häfen heran gezogen werden.

Integrierter Frachteinkauf mit Performancemessung und Bonus-/Malus-System
Methoden,  Prozesse und neue Wege des Frachteinkaufes präsentierte Alfons Dachs-Wiesinger, Senior Manager Transport & Logistics Services, MAGNA STEYR. „Durch eine strukturierte Transportvergabe an ausgewählte strategische Partner im Bereich Transport und Logistik, sowie einer genauen Überwachung und Entwicklung der Qualität erreichen wir eine kostenoptimale Abwicklung für ein- und ausgehende Transporte“, definiert Dachs-Wiesinger das ausgeklügelte Ausschreibungsverfahren.

Die Prozessschritte des integrierten Frachteinkaufs führen von einer Potenzial- und Kosten-/Nutzenanalyse über eine Beurteilung, Zertifizierung und Bewertung bis hin zur Transportdienstleisterentwicklung. Der operative Frachteinkauf wird nachvollziehbar, effizient und nachhaltig durch ein Bonus/Malus-System mit Performancemessung, einem Ranking der besten Transportdienstleister und durch standardisierte, elektronische Ausschreibungen begleitet.

Logistik Excellence erreicht Entsorgungswirtschaft
Frank Dicker, Vorstandsmitglied der Saubermacher Dienstleistungs AG, erläuterte zu Beginn seines Vortrages die Unternehmensentwicklung der Saubermacher Dienstleistungs AG vom regionalen Abfallsammler zum internationalen Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen. Mit 3.900 Mitarbeitern in Österreich, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien werden 1.600 Gemeinden und 40.000 Unternehmen mit unterschiedlichsten Branchen- und Auftragsstrukturen betreut.

Dicker gab Einblick in das neue Logistikoptimierungssystem LOTUS (Logistik Technik & Umwelt System), das noch in 2011 implementiert, in den Folgejahren sukzessive ausgebaut und auf alle Länder ausgerollt werden soll. Die Komplexität der logistischen Herausforderungen lässt sich mit einigen Faktoren, wie jährlich fixierte Abfuhrkalender im kommunalen Bereich, saisonal bedingte extreme Schwankungen, ungeplante Abrufe im Gewerbebereich für Containerentleerung, getrennte Sammlung/Verwiegung pro Kommune im Zuge einer Tour oder durch den hohen Anteil an Leerfahrten, bedingt durch Spezialfahrzeuge, beschreiben. Das System soll neue Standards in der Abfall- und Verwertungslogistik setzen und sowohl ökonomisches als auch ökologisches Potenzial an den Tag bringen.

Veränderte Ersatzteilströme am Weltmarkt
Über die aktuellen Markttrends und zukünftigen Entwicklungen in der Ersatzteillogistik informierte Christian Novak, Key Account Management Automotive Suppliers, Schenker Deutschland AG.

Die Verschiebung der automotiven Absatzmärkte und Produktionsstandorte bewirken veränderte Ersatzteilströme am Weltmarkt. Mit einem Zuwachs um 32 Prozent oder 4,47 Millionen Fahrzeuge hat China die USA klar überholt. Die Globalisierung und Liberalisierung des Marktes bietet enormes Wachstumspotenzial und eröffnet neue Chancen für Zulieferer. Die Herausforderungen liegen unter anderem in der fehlenden Rechtssicherheit, fehlenden Strukturen, neuen Wettbewerbern mit lokalem Know-how und komplexen Lieferketten im weltweiten Kontext.

Neue Trends in der Lagerhaltung, vor allem in etablierten Märkten, würden sich abzeichnen. Um hohe Lieferfrequenzen und schnellen Reaktionszeiten gewährleisten zu können, geht der Weg hin  zu lokalen Distributionslagern anstelle großer Zentrallager. Auch  alternative Antriebe werden die Landschaft der Zulieferer verändern, jedoch nicht die eigentliche Logistikkette und bestehende Systeme.

Um Akku-Leistung, Lebensdauer und Reichweite von Elektro- und Hybridfahrzeugen ging es vor allem in der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde und brachte noch einige interessante Facts zur Mobilität der zu Zukunft zu Tage.

Das war der Automotivtag Steiermark der BVL Österreich:
Eine gelungene Veranstaltung mit hochkarätigen Logistikexperten und topaktuellen Themen, interessanten Schlussfolgerungen, anregenden Diskussionen und viel Platz zum Netzwerken. Michael Druml abschließend: „Die Unternehmen haben ihre Lehren aus der Krise gezogen, entwickeln Alternativszenarien, investieren in Zukunftstechnologien, gehen vorsichtig mit sensiblen Lieferketten um und professionalisieren Logistikabläufe, um sich gegen Marktrisiken und –volatilitäten zu wappnen und gut gerüstet für die Zukunft zu sein!“


Ihre Ansprechpartner für Rückfragen:

Mag. Michael Druml
Executive Director Global Supply Chain Management
MAGNA STEYR und Beirat der BVL Österreich
Tel: +43 316 404 0
Email: michael.druml@magnasteyr.com

Dipl.-Ing. Roman Stiftner
Präsident der Bundesvereinigung Logistik Österreich
Tel: +43 1 615 70 55
Email: r.stiftner@bvl.at
Internet: www.bvl.at

Mag. (FH) Stefan Ulz
Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik Österreich
Tel: +43 1 615 70 55
Email: s.ulz@bvl.at
Internet: www.bvl.at

Über die Bundesvereinigung Logistik Österreich
Die BVL Österreich ist Österreichs größtes Logistiker-Netzwerk. Logistik-Spezialisten aus der Praxis und Wissenschaft, Interessierte bis Quereinsteiger profitieren seit Jahren als Personen- oder Firmenmitglieder von den Vorteilen eines grenzüberschreitenden Kompetenz-Forums. Öffentliche Institutionen, aus Bildung und Politik, treffen auf Unternehmen aus der Logistikbranche. Wissen, aktuelle Informationen werden in Unternehmen transferiert, Meinungen und Interessen werden auf den verschiedenen BVL-Plattformen ausgetauscht. Vor allem der einmal jährlich stattfindende Logistik-Dialog bietet Auftraggebern und Auftragnehmern Raum um gemeinsame Ideen und Projekte zu entwickeln. Beziehungen werden intensiviert, Netzwerke geknüpft, Visionen Wirklichkeit. Gemeinsam ans Ziel, in der Bundesvereinigung Logistik Österreich.

Pressekontakt:

Sabine Lukas
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